Mit hohen Erwartungen und exzellenter Vorbereitung reiste Nachwuchstalent Mathilda Paatz zum dritten Rennwochenende der zentraleuropäischen Formel-4-Meisterschaft (F4 CEZ) an den Slovakiaring. Trotz starker Leistungen und aussichtsreicher Startpositionen in Reichweite der Podestplätze musste die 17-jährige Deutsche, die zur Aston Martin Aramco Formula One Team Driver Academy gehört, die Heimreise mit leeren Händen antreten. Unverschuldete Kollisionen und äußerst fragwürdige Entscheidungen der Rennleitung prägten ein frustrierendes Wochenende, das auch die Chancen in der Meisterschaft kostet.
Dabei begannen die Tage in der Slowakei äußerst vielversprechend. Bereits im Collective Test am Donnerstag präsentierte sich das Setup perfekt aussortiert, was Mathilda Paatz ein großes Maß an Selbstvertrauen verlieh. Im Qualifying sicherte sich die Kölnerin den fünften Platz, was ihr die hervorragenden Startpositionen vier und drei für die beiden anstehenden „Heat-Rennen“ bescherte. Die Basis für die anvisierten Podiumsplätze war somit bereits gelegt.
Im ersten Rennen am Samstag schien zunächst alles nach Maß zu laufen: Mit einem exzellenten Start katapultierte sich Paatz direkt auf den zweiten Rang. Nach einer frühen Safety-Car-Phase kam es beim Restart jedoch zu einer folgenschweren Szene: Ein nachfolgender Konkurrent fuhr Paatz auf der Start-Ziel-Geraden bei Tempo 220 ins Heck und zwang die 17-Jährige in einen dramatischen Highspeed-Dreher, die inmitten des dicht gestaffelten Feldes zweimal über die Strecke kreiselte. Dank der schnellen Reaktionen der nachfolgenden Piloten kam es zu keiner weiteren Kollision. Anschließend bewies die junge Deutsche enormen Kampfgeist: Sie nahm das Rennen vom Ende des Feldes wieder auf und betrieb mit dem 14. Rang noch maximale Schadensbegrenzung. Im Fahrerlager sorgte die anschließende Entscheidung der Sportkommissare für Diskussionen. Das hochgefährliche Manöver wurde lediglich mit einer 10-Sekunden-Zeitstrafe geahndet, wodurch der Verursacher das Rennen dennoch auf dem vierten Platz beenden konnte.
Im zweiten Rennen unterstrich Paatz ihre Ambitionen. Mit einem brillanten Blitzstart übernahm die Aston-Martin-Nachwuchspilotin sofort die Führung. Im weiteren Rennverlauf agierte sie mit Blick auf die Meisterschaft bewusst mit kalkuliertem Risiko: Um nach dem Pech im ersten Lauf noch einmal wichtige Punkte zu sichern und kein unnötiges Ausfallrisiko einzugehen, verteidigte die Kölnerin ihre Positionen in den harten Positionskämpfen gegen die teilweise übermutige Konkurrenz nicht mit letzter Konsequenz. Paatz beendete das Rennen auf einem starken vierten Platz und verpasste das Podium nur denkbar knapp.
Durch die Addition beider Vorläufe startete Paatz das Finalrennen am Sonntag von der 14. Position. Auch hier zeigte die 17-Jährige eine starke Aufholjagd und fuhr mit einem guten Start rasch in die Top 10 vor, doch das Rennen endete abermals vorzeitig: Das wilde Manöver eines weiteren Konkurrenten beförderte die junge Deutsche unverschuldet ins endgültige Aus. „Ich hatte zeitweise das Gefühl, auf der Kirmes beim Autoscooter zu sein“, fasst eine sichtlich enttäuschte Paatz das Wochenende zusammen. „Nach dem Motto: Wer hat noch nicht, wer will noch mal? So macht die Formel 4 in der CEZ keinen Spaß.“
„Die Pace war absolut da, um ganz vorne mitzufahren“, resümiert Paatz, die auf den zehnten Platz in der Gesamtwertung zurückgefallen ist. „Ich hoffe einfach, dass die angekündigten Richtlinien bei den Fahrerbriefings künftig auch auf der Strecke spürbar umgesetzt werden, damit wir wieder sauberen Motorsport sehen.“ Bis zum nächsten Kräftemessen bleibt nun Zeit, die Emotionen abkühlen zu lassen: Das nächste Rennen findet vom 31. Juli bis 2. August im Autodrom Most in Tschechien statt.

